House music festival

Die ‚Norwich School‘ darf man mit gutem Gewissen mit Hogwarts vergleichen. Für die Nicht-Potter-Fans unter uns, die es ja auch geben soll, obwohl ich mich doch frage, wie man die 2000er überlebt haben kann, ohne einmal über Harry Potter gestolpert zu sein: Ein Junge namens Harry Potter (das muss überraschend kommen) geht zu einer Zauberschule –> HOGWARTS!!! Dort kämpft er gegen das Böse, wie das die Guten im Allgemeinen so machen. Für die, welche sich nun fragen, ob Norwich school von J. K. Rowling gewisse Dinge  abgeguckt hat oder umgekehrt, sage ich, wahrscheinlich keines von beiden. Müsste ich mich aber entscheiden, die Welt will doch, dass man sich auf eine Seite schlägt, dann würde ich sagen, die Dame ist zwar absolut genial, aber wahrscheinlich müsste man doch Norwich school als die Erfinder ansehen, da es sie ja doch schon seit stolzen 500 Jahren gibt. Ausgenommen von Quidditch natürlich, das darf voll und ganz Rowling angerechnet werden.

Ein Beispiel für die Ähnlichkeit von Hogwarts und Norwich School ist die Einteilung der Schüler in verschiedene Häuser. Um die Motivation und Leistungsfähigkeit der Schüler zu fördern, stehen die Häuser im Wettbewerb miteinander, wie sich das in einem gut kapitalistischen Land gehört. Einer dieser Wettbewerbe ist der House Music competition: Alle Schüler eines Hauses lernen zusammen ein Lied und tragen es dann vor und am Schluss gibt es natürlich einen Gewinner. Ein bisschen  wie „music star“ oder „the voice“.

Wir wurden von den Lehrern schon seit Semesterbeginn dazu ermutigt, uns das anzusehen. Es sei spektakulär. Heute ist der grosse Tag endlich gekommen, aber nun hiess es plötzlich, dass wir nicht in die Konzerthalle selber dürfen, sondern uns nur die Bildschirmübertragung aus dem Nebenraum ansehen können. Das sei aber normal, die meisten Lehrer seien nur in der Nebenhalle und es sei eine gute Stimmung. Dass die meisten Lehrer in der Nebenhalle wären, hat sich als Lüge herausgestellt, mehr als zwei, drei konnte ich beim besten Willen nicht entdecken. Man will aber mal nicht so sein. In einem halbgefüllten Raum sind wir dann mit lauter Eltern gesessen und haben auf den Anfang der Aufführung gewartet. Der Raum, der ebenfalls zur umgebauten Kirche gehörte, war zugegebenermassen wunderschön. Die alten Gemälde liessen einem sich so ein bisschen königlich fühlen. Die harten Holzstühle dagegen weniger. Mein Lieblingsgemälde ist ein Porträt mit der Aufschrift: Formerly believed to be Thomas Carver/Now believed to be Augustine Steward. Der Arme hat soviel Geld bezahlt, um nicht in Vergessenheit zu geraten und dann profitiert ein anderer für hunderte von Jahren davon. Zurück zur Competition, zuerst sind so ein paar hochbegabte Kinder aufgetreten. Eigentlich hätte ich ja sehr beeindruckt sein müssen, aber ganz ehrlich, eigentlich habe ich von dieser Schule gar nichts anderes erwartet und darum sind meine Erwartungen höchstens erfüllt, aber sicher nicht übertroffen worden.

Danach ging es endlich los. Zusammengefasst kann man sagen, dass sich die Aufführungen ziemlich geähnelt haben: Viele stockstill stehende Kinder, denen das Ganze ein wenig peinlich war, ein paar, die voll mit dem Lied mitgelebt haben und unprofessionelle Dirigenten. Am meisten Spass hat es mir gemacht, im Meer der Köpfe meine Schüler zu entdecken. Ein absoluter Hit war der Auftritt der Lehrer (also nicht von uns, wir sind nur support staff). Leider ist die Technik dann schon bald ausgestiegen und wir konnten das Solo des Rektors nur tonlos mitverfolgen. Die Zuschauer haben es aber mit Fassung getragen und ausser ein paar „awwwws“ war nichts zu hören, so etwas konnte ihnen die Laune nicht verderben. Ich als guter Schweizer habe mich natürlich schon ein bisschen aufgeregt. Schlussendlich wurden zwei Preise verliehen. Es ist mir bis jetzt noch nicht ganz klar, welcher für was verliehen worden ist, aber das wird mir wahrscheinlich keine schlaflosen Nächte bereiten. Eine Exschülerin , welche mit zwei anderen Personen (eine davon war unser Chordirigent) die Lieder bewertet hat, hat die Preise verliehen und eine kurze Rede gehalten. Zuerst wurden mehrere Sätze gesagt, wie sehr sie die Schule vermisse, dass die Schüler ihre Zeit unbedingt geniessen sollten und dass sie sofort mit ihnen ihren Platz tauschen würde. Really? Es ist ja nicht unüblich, dass man mit nostalgisch gefärbten Gefühle an seine Schulzeit zurückdenkt. Aber dass sie ohne mit den Wimper zu zucken zurück möchte, ist meiner Meinung nach ein bisschen tragisch. Allerdings, wer bin ich, dass ich das beurteilen könnte, ich bin ja nicht zu Norwich School gegangen. Andererseits bin ich der Blogverfasser und darum darf ich meine Meinung zu allem äussern.

Im Gegensatz zu den oben genannten Shows wurde die Rangliste ziemlich kommentarlos vorgelesen und dann ging es in Reih und Glied zurück in die Schule.