Ein ereignisreicher Tag

Nachdem ich in meinem letzten Post in aller Ausführlichkeit demonstriert habe, dass ich mich doch von Zeit zu Zeit dem Müssiggang hingebe, fühle ich mich nun dazu verpflichtet, meinen Ruf wieder ein wenig aufzupolieren.

Ich erfreue mich der Freundschaft eines sehr ambitionierten Norfolkers. Nachdem er mir schon mehrere Male vorgeschlagen hat, einen Tagesausflug zu machen, und der Frühling den Weg nach Norfolk nun auch endlich gefunden hat, habe ich mich dazu entschlossen, das freundliche Angebot anzunehmen. Da ich noch nicht so viel von Norfolk gesehen habe (ausser Norwich), hat mich schon seit Längeren das schlechte Gewissen geplagt, ich nutze meine Zeit hier nicht effizient. Der Trip sollte deshalb auch meiner Seele Erleichterung verschaffen, wie sehr, habe ich zu dieser Zeit noch nicht geahnt.

Castle Acre und die dazugehörige Priory waren das Ziel. Die Abbey war definitiv eine der best erhaltenen, die ich je gesehen habe. Aber anstatt hier viel Zeit mit einer Beschreibung zu verschwenden, wo ihr euch sowieso anhand der Bilder einen eigenen Eindruck machen könnt, springe ich gleich zu Wichtigerem. Zu Met. Der Honigwein, der bei uns in der Schweiz grosse Teile des Kellers belagert, gehört eigentlich nicht zu den Dingen, die mir noch fehlen. Ein Probiererli, welches im Touristshop angeboten wurde, lässt man sich natürlich trotzdem nicht entgehen, das müsste man ja als Verschwendung bezeichnen und als verschwenderisch möchte ich mich nicht betiteln lassen. Aber zum Punkt, mit gemässigten Erwartungen habe ich das zu kleine Gläschen getrunken, als Connaisseur hat man ja schon einiges gesehen. Aber wie vom Blitz getroffen, stand ich da, welch süsser Nektar, rinnt da über meine Zunge. Ich sah es, verständlicherweise, als meine Pflicht an, eine Flasche zu kaufen.

Während wir in einem gemütlichen Pub assen, habe ich mich einem Gefühl der Befriedigung erfreut. Ein ereignisreicher Tag. Etwas in North Norfolk unternommen, ‚Tick‘. Da hatte ich aber die Rechnung ohne meinen Freund gemacht, der nun seine Liste zückte und mir präsentierte, was heute noch auf dem Plan stünde. Leicht irritiert, dass der Tag noch ereignisreicher werden müsse, gab ich mich aber schnell geschlagen. Hätte ich gewusst, dass das spirituelle Highlight des Tages noch vor mir liegt und nicht hinter mir, wie man das beim Probieren des Mets hätte denken können, hätte ich natürlich keine Mühen gescheut.

Nach einer kurzweiligen Fahrt, bei der ich aber unterbewusst die Qualen jedes guten Pilgers litt, sind wir beim Besucherparkplatz des ‚Altar of our holy Lady‘ angekommen. Als wir die Horden von festlich gekleideten Pilger picknicken sahen, wurde uns zum ersten Mal klar, dass wir es nicht einfach nur mit einem historisch spannenden Gegenstand zu tun haben, sondern mit dem englischen Nazareth persönlich, wie man auf der Homepage nachlesen kann. Da der Altar relativ schlecht beleuchtet war, da es sich ja nicht um ein Ausstellungsobjekt handeln sollte, musste dafür nicht zu viel Zeit beansprucht werden. Weshalb umso mehr Zeit für das Lesen der Legende des Ortes blieb. Anscheinend erschien Maria einer noblen Norfolkerin im Traum. Nobel im Charakter aber wahrscheinlich auch im Stand, sonst hätte sie sich dieses Spässchen nicht leisten können. Dabei geht es darum, dass Maria ihr ihr Haus in Nazareth gezeigt hatte, um es in Norfolk nachbauen zu lassen. Wie detailliert die Hausführung gewesen sei, wird nicht erwähnt, aber wenn sogar die genauen Masse erkennbar gewesen sein müssen, dann wäre dies relativ intim gewesen. Oder wurde nur ein Bauplan vorgezeigt? Wir werden es nie erfahren.  Was wir aber erfahren, ist, dass die noble Dame Mühe hatte, den ihr von Maria zugewiesenen Ort richtig zu erkennen. Zuerst musste sie den Traum dreimal träumen, um überhaupt mit dem Projekt beginnen zu können und dann begann sie am falschen Ort zu bauen. Als das Haus aufgrund der Bodenqualität (oder doch ein subtiler Hinweis Marias?) immer wieder einstürzte, wurde klar, dass sie den Traum missverstanden hat. So wurde das Haus, welches dem Marias bis aufs Haar gleich sein sollte, ein wenig entfernt vom ursprünglichen Ort gebaut.

Nun, da die Geschichte des Ortes nun zu Genüge erläutert worden ist, kommen wir zur heiligen Meile, welche sich gerade daneben befand. Was es mit dieser auf sich hat, ist mir jedoch nicht klar. Wir zeigten ihr aber doch den gebührenden Respekt. Sicher ist sicher. Und sind ihr auf unserem Weg zum Strand entlang gefahren.

 

Castle Acre
Castle Acre Priory
Castle Acre Priory, Toiletten
Castle Acre Priory
Castle Acre Priory
Wells-next-to-the-sea
Wells-next-to-the-sea
Creak Abbey

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