Ein ereignisloser Tag

Der Tag fing schon ereignislos an. Nicht der Wecker weckte mich, sondern ich wachte von selbst von einem eher ereignislosen Traum auf, wahrscheinlich so ereignislos, dass ich mich davon langweilte und ihn einem ereignislosen Tag vorzog. Ob ich wirklich träumte, weiss ich aber nicht mehr. Wie immer lief ich in die Küche, um mein Frühstück zuzubereiten. Dies ist zwar von absoluter Wichtigkeit, da es aber jeden Tag so ist, würde ich es eher als weniger spannend klassifizieren. Porridge und Schwarztee. Während das eine schon im Namen vor Langweiligkeit trifft (jedoch unglaublich köstlich ist, vor allem richtig zubereitet, dabei ist vor allem die Menge des Wassers entscheidend), liegt im Namen des anderen wenigstens etwas Tiefgründiges und Düsteres.

Was ich danach gemacht habe, muss so ereignislos gewesen sein, dass ich mich nicht einmal mehr daran erinnern mag. Wahrscheinlich muss ich mich angezogen haben, da ich jetzt nicht im Pyjama über diesen höchst ereignislosen Tag schreibe. Womöglich habe ich mich mit einer Netflixserie oder einem Film amüsiert. Schon fällt mir auch wieder ein, was ich mir angeschaut habe. Ein Film über eine ältere Lady, die in Paris lebt und ein Amerikaner der irgendwie auch noch aufkreuzt. Wenn ich es jetzt so beschreibe, merke ich, wie man doch hätte sehen müssen, wie vorhersehbar der Film ist. Im Moment selber schien er mir ganz anständig, ein bisschen künstlerisch, nicht so mainstream. Nun der letztere Punkt hat sich ja dann sicher als Irrtum herausgestellt. Was den ersteren betrifft, das  einzige Künstlerische am Film war die Länge und wie er vor sich hin trödelte. Den Mainstreamfilmen sagt man ja nach, sie sprängen von Ereignis zu Ereignis. Eben nicht so wie mein ereignisloser Tag, der vor sich hin rieselt.

Hier haben wir es mit einem störenden Element zu tun, weil mein Mittagessen darf und soll man nicht schlechthin als langweilig abtun, da es das leider nicht war. ‚Leider‘ im Sinne von, dass es hier meine These, ich hätte einen langweiligen Tag verbracht, zerstört. Meine chilenische Mitbewohnerin hat mir beigebracht, wie man eine chilenische Algensuppe zubereitet. Pflichtbewusst habe ich jeden Schritt festgehalten. Wer sich nun denkt, das biete ihm oder ihr die Chance auf ein neues kulinarisches Ereignis, zubereitet von mir, dem sei gesagt, noch so gerne, aber sie ist sehr scharf, wimmelt von Knoblauch und braucht ihre Zeit, um vor sich hin zu köcheln, wie ein Nonmainstreamfilm oder eben mein Tag..

Meine Aufgabe bestand im Knoblauchzehen schälen und in winzig kleine Stücke zu schneiden. Auf dem Wort ‚winzig‘ hat Camilas Mutter, die uns ihr Rezept gab, sehr bestanden, darum habe ich mir auch extra Mühe gegeben. Ich bin zwar eine erfahrende Knoblauchliebhaberin, aber leider keine erfahrende Knoblauchhakerin, weswegen ich eine gefühlt zu lange Zeit dafür gebraucht habe.

Glücklicherweise verfiel mein Tag danach wieder in Bedeutungslosigkeit. Ein gewisses Gefühl der Völle hat mich dazu bewegt, einen weiteren Film zu schauen. Bei dem ich dieses Mal mehr Glück hatte, aber auch nicht wirklich als aufregendes Ereignis betitelt werden darf. Da man sich am Ende des Tages doch ein wenig nützlich fühlen möchte, saugte ich meinen Spannteppich im Zimmer gründlich. Eine Anschaffung, die ich selber nicht machen würden … man ist sich ja gewiss, dass sich da immer ein bisschen Dreck irgendwo zu verstecken mag … heimtückisch.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es ein richtig erfolgreicher Tag war. Was kann man sich mehr wünschen, als von Zeit zu Zeit im Nichtstun zu versinken und dann sogar noch darüber zu schreiben.

 

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