Heimfahrt

Nachdem ich nun Weihnachten und Weihnachtsbräuche in Grossbritannien kennenlernen und miterleben durfte, gewisse sehr kitschig, andere nicht ganz so kitschig, ging es letzte Woche endlich zurück in die Schweiz.
Reisen macht mich immer unglaublich nervös. Das geht von 100 Mal checken, ob der Pass eingepackt wurde, und dann noch einmal, weil er ja vielleicht beim letzten Mal Nachschauen herausgefallen ist, bis zu Herzklopfen, wenn der Taxifahrer drei Minuten zu spät ist, was ja an sich nichts machen würde, da man sowieso zu viel Zeit eingeplant hat, aber es könnte ja sein, dass er es beim Anruf falsch verstanden hat und meint, er müsse mich erst einen Tag später abholen.
Nach etwa zwei Stunden Schlaf bin ich pünktlich um vier Uhr durch meinen Doctor Who Weckton aufgewachen (sehr zu empfehlen, man startet jeden Tag in ein neues Abenteuer). Nach einem ausgiebigen Frühstück war ich dann bereit für den Taxifahrer, der aber nicht vor der Tür stand. Das Schlimmste annehmend bin ich etwa dreimal um den Block gerannt. Schon drei Minuten zu spät! Höchste Zeit, die Agentur anzurufen, welche mir dann erklärte, der Fahrer sei bereits dort. Ich habe ihn dann gefunden, zwar nicht wirklich bei der Adresse, die ich angegeben habe, aber man will sich nicht beklagen, sonst fährt er plötzlich ohne einem ab.
Während der sehr kurzen Fahrt wurde ich vom rumänischen Taxifahrer sehr ausführlich darüber aufgeklärt, dass Dracula auf einer historischen Person basiere. Als ich, um ein wenig Small Talk zu betreiben, zustimmte, dass diese historische Persönlichkeit, welche er beschrieb, tatsächlich eine Ähnlichkeit zum fiktiven Vampir hat, wurde ich knapp zurechtgewiesen mit einem „nichts fiktiv, alles war“. Dass ich das nicht bestritt, habe ich dann nicht mehr gewagt, zu sagen, sondern habe im fröhliche Weihnachten gewünscht, was dann doch herzlich erwidert wurde.
Sobald wir im Bus sassen, wurden wir vom Chauffeur darauf hingewiesen, ja von den Sicherheitsgurten Gebrauch zu machen, da der Nebel aussergewöhnlich dick sei. Mir war nicht ganz klar, wie das zu interpretieren sei: die Chancen sind höher, dass er einen Unfall macht, weswegen es sich lohnt den Gurt umzuschnallen oder wie? Ausserdem ginge es schneller, wenn man ihm Schokolade schenken würde. Diese Aussage ist natürlich bei mir auf sehr viel Sympathie gestossen. Nach 6 Stunden und dem Abklappern von etwa fünf Heathrow Terminals sind wir endlich in Gatwick angekommen.

Dort habe ich mir, nachdem ich recht zackig die Sicherheitskontrolle passieren konnte, ein weiterer Stressfaktor, es könnte ja sein, dass ich ausversehen etwas Unerlaubtes eingepackt habe, einen Salted Caramel Latte und ein Schokomuffin gegönnt. Man gönnt sich ja sonst nichts. At least that’s what I keep telling myself.
Ausserdem wurde ich mit sehr interessanten Unterhaltungen an den Nebentischen belohnt. Während sich die Herren neben mir je einen doppelten Vodka bestellten, hat sich eine Dame hinter mir bei ihrem Gegenüber beklagt, dass sie an einem Fluch leide, alle Frauen seien immer so eifersüchtig auf ihre Schönheit. Da habe ich mich dann doch mal diskret umdrehen müssen, die so verfluchte Schönheit blieb mir leider jedoch unentdeckt.

Als das Gate dann ausgerufen wurde, wurde ich ein wenig überrumpelt mit Schweizerdeutsch von allen Seiten. Darauf hab  ich mich vergessen mental vorzubereiten, aber ich bin ja tolerant, sogar wenn es sich um Zürcher handelt.

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