Brunch

Essen ist eine wunderbare Art, neue Kulturen zu entdecken. Eine wunderbare Zeit dies zu tun, ist zwischen Breakfast und Lunch, sprich Brunch. Beim Frühstück mag der Körper noch nich alles, was ihm später vielleicht behagt, bei mir ist relativ limitiert, was ich zum Frühstück noch nicht essen kann, aber man möchte ja nicht allzu egoistisch erscheinen. Für das Mittagessen muss man Lichtjahre warten, da muss ich klar die Grenze ziehen, ein bisschen Egoismus hat noch niemandem geschadet.

Nun, als pflichtbewusste Schweizerin (ich lehne mich jetzt nicht aus dem Fenster des Sarkamus‘ und ersetze ‚Schweizerin‘ mit ‚Eidgenossin‘) habe ich mir ausgedeht und gründlich überlegt, mit welcher Spezialität ich mein Land repräsentieren möchte. Was würde sich da besser anbieten als einen guten Schweizer Sonntagszopf. Um ihn auch in seiner vollen Pracht darzustellen, bin ich extra ein bisschen früher aufgestanden, um ihn am selben Morgen backen zu können. Ein bisschen Mehl, ein bisschen Salz, ein bisschen Milch und ein bisschen Butter.  Es handelt sich bei meinem Blog ja grundsätzlich um meine individuelle Sicht der Realität, aber da auch diese nicht immer völlig verschoben ist, sollte ich vielleicht anfügen, dass es sich um sehr viel Butter handelt und nicht nur um ein bisschen.

Wie ein Teig so ist, muss er sich für ein Stündchen ausruhen, bevor man ihn in den Backofen schieben kann. Eine Ruhe Zeit für ihn, eine Zeit der puren Anspannung für den Bäcker, denn nicht jedes Mal , hat der Teig den Willen, auch wirklich aufzugehen. Um dieser Stunde die Anspannung zu nehmen, bin ich zum Markt gegangen, um Schweizer Käse zu kaufen. Norwichs Markt hat nämlich fast alles, von Hundeknochen, über Biogemüse zu Secondhand DVDs. Unterwegs findet man auch den Käsestand.

Ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Brust breit, was, wenn der Stand tatsächlich nur französischen Käse verkauft. Die Engländer hegen eine gewisse Hassliebe zu den Franzosen, sie mögen sie nicht, aber sie lieben ihren Käse, weshalb sie bei gutem Käse eigentlich immer nur an Frankreich denken. Dies macht es jedoch umso wichtiger, ihnen guten rezenten Schweizer Käse als ebenbürtige Option vorzustellen. Sogar ich, die ich mich als unnationalistisches Wesen beschreiben würde (Oder macht mich Bescheidenheit schon wieder schweizerisch? Es ist ein Teufelskreis, dem nicht zu entkommen ist…) musste mich leicht entsetzen als meine französische Kollegin Raclette für Frankreich beanspruchte und die Engländer ständig und ausschliesslich die deutsche Pünktlichkeit bewunderten. Weshalb ich inzwischen Wert darauf lege, Dinge, auf die die Schweiz  tatsächlich stolz sein darf, es gibt genug Klischees und Legenden deren Wahrheitsgehalt ich noch so gerne verneine, für die Schweiz zu beanspruchen.

Um zurück zu diesem kleinen Käsestand in der Mitte des Marktes zu kommen, konnte mein hoffnungsloses Auge es kaum glauben, als die weissen Buchstaben auf dem schwarz getäfelten Hintergrund zusammen ‚Gruère‘ ergaben. Nicht irgendein Gruère, sondern ein unpasteurisierter. Wer hätte dies für möglich gehalten, in einem Land, in dem Pasteurisation als hygienisch gilt.

Mit dem Käse in der Tasche bin ich nach Hause geeilt, wo sich mein Herz wieder ein wenig  zusammenzog, da der Teig geschätzte zwei Millimeter aufgegangen ist. Da kam es zum Moment, wo ich mich heldenhaft zusammenreissen musste und den Zopf formen und in den Backofen schmeissen musste. Der Backofen, die letzte Bastion der Hoffnung. Wird sich die Hefe in der Hitze zu ein bisschen Arbeit mit dem Aufgehen bewegen lassen? Wir werden es im nächsten Abschnitt erfahren.

Und wie sie das tat. Ich finde jedoch, ich habe das auch verdient, nach dem Backversuch, den ich letztes Mal beschrieben habe. Ich darf voller Stolz verkünden, dass dieses Schweizer Gericht sehr gut angekommen ist und das Rezept dafür mehrere Male erfragt worden wurde. Wen kümmert es da noch, dass die Deutschen die Pünktlichkeit zugeschrieben bekommen haben.