Zugunterbruch

Nun eigentlich ist der Titel eher schlecht gewählt, da er schon zu viel verrät und es wird nicht einmal einen Plot Twist geben.

Es fing alles ganz amüsant an: Umgeben von einer Gruppe gut gelaunter Senioren sass ich im Zug nach Cromer. Bevor es losging, musste der Zugchauffeur natürlich noch einen Kommentar über die Menge an Sonne, mit der Norfolk gesegnet sei (ja nicht nur Norwich), loswerden. Ich wäre ein bisschen betrübt gewesen, wenn diese Kommentare aufgrund der tiefen Temperaturen wegfallen wären, aber wie gesagt, ich wurde nicht enttäuscht. Schon nach einer Viertelstunde folgte dann aber eine weniger erfreuliche Durchsage: Der Zug kann nicht weiterfahren wegen eines Personenunfalls. Es war sehr beeindruckend, wie sich die Passagiere dadurch die Laune nicht verderben lassen haben. Obwohl wir noch nicht so weit von Norwich weg seien, daure es 40min bis ein Ersatzbus erscheinen werde, teilte auch bald die mitleidige Stimme des Chauffeurs mit.

Der Bus ist dann auch tatsächlich nach einer Stunde gekommen. Zur Überraschung aller Wartenden wollte er uns aber nicht reinlassen, dies hat auch die Geduld der sonst sehr geduldigen Engländer strapaziert. Gewisse konnten sich den Kommentar „If we were in America, people would be already in that bus“ nicht verkneifen, was so viel heissen will, wie, dass der Buschauffeur sich glücklich schätzen solle, es mit höflichen Engländern und nicht rüpelhaften Amerikanern zu tun zu haben. Der Bus ginge zurück nach Norwich und nicht nach Cromer, wir müssen selber nach einem Weg nach Cromer suchen. Dies hiess es dann schliesslich, nach einer viertelstündigen Diskussion, die in aller Fairness recht geordnet von statten ging. Wir hatten keine andere Wahl, als nach einem lokalen Bus zu suchen, der mit Glück Richtung Cromer fährt. Als unsere Gruppe von gut 40 Personen (gewisse sind auf ein Taxi umgestiegen, haben aufgegeben oder haben sich einfach dazu entschlossen, zuerst einmal irgendwo einen Tee zu bestellen) dann endlich eine Busstation gefunden hat, habe ich mich beinahe entschlossen, wieder zurück zum Bahnhof zu stapfen und dort auf einen Zug zurück nach Norwich zu warten. 45min auf den nächsten Bus zu warten, in der Kälte, um dann eine kalte Küstenwanderung zu machen. Das ist schon eine recht eisige Angelegenheit. Meine Geduld wurde jedoch belohnt. Dass es die Engländer nicht so genau mit Fahrplänen halten, kann einem auch als Vorteil kommen. Nach nur lausigen 10min kam der erlösende Bus und brachte uns zwar auf Umwege aber sicher nach Cromer.

Dort wurden wir überrascht mit einem Weihnachtsmarkt, die nicht so üblich in England sind, für mich aber zur Adventszeit dazugehören. Zugegebenermassen hat das Wichtigste gefehlt, der Glühwein, aber man hat es wieder gut machen wollen mit Rentieren, was schon ziemlich cool war, auch wenn sie herzlich uninteressiert an mir waren.